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Kindsmörderinnen im 19. Jahrhundert – Buchtipp

Neuerscheinung:

Marita Metz-Becker (Hg.) Gretchentragödien: Kindsmörderinnen im 19.
Jahrhundert, Marburg 2016, ISBN 978-3-89741-383-2 

Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte des Kindsmordes im 19.
Jahrhundert destillierte Marita Metz-Becker aus historischen
hessischen Prozessakten. Ihre Analyse dieser Zeitdokumente vermittelt
tiefe Einsichten in den Alltag und die Lebenswelten unterer
Bevölkerungsschichten, insbesondere lediger Dienstmägde, die,
ungewollt schwanger, offenbar keinen anderen Ausweg sahen, als das
Neugeborene nach der Geburt zu töten und wegzuschaffen. Nicht selten
starb die überführte Kindsmörderin – obgleich nicht zum Tode
verurteilt – einsam in der Haft. Die Akten lassen deutlich werden,
dass sie im Vorfeld der Tat nicht allein stand: Sie zeigen, wie das
Umfeld – Partner, Nachbarn, Dienstherrschaft, Personal, Gesinde – die
ungewollte Schwangerschaft miterlebte und deutete und wie Macht und
Ohnmacht in den alltäglichen Interaktionen zur Verleugnung,
Verdrängung und schließlich zur Tat selbst führten. Die Rolle der
Medizin und der Justiz wird dabei ebenso erkennbar wie die der Kirche
und der örtlichen Obrigkeiten.

obige Infos von : Waltraud Görge, Philipps-Universität Marburg, IInstitut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft, Deutschhausstr. 3, 35032 Marburg
mail: goerge@staff.uni-marburg.de, Tel.: +49(0)6421-2826516, Fax.: +49(0)6421-2826515

Vortrag: größter jüdischer Landfriedhof Hessens

Zur Sonderausstellung „400 Jahre Jüdischer Friedhof Alsbach – BEWAHREN – ERINNERN – GEDENKEN“

VORTRAG

Dr. Hartmut Heinemann (Kommission der Geschichte der Juden in Hessen)

„Der jüdische Friedhof in Alsbach. Ein herausragendes Beispiel jüdischer Kultur in Hessen.“

Mittwoch, 08.6.2016 um 19.30 Uhr in der „Alten Schule“, Gernsheimer Str. 31 in Alsbach-Hähnlein

Sonderausstellung geöffnet:

jeden Sonntag bis 17.7. danach bis zum 02.10.2016

jeden 1. Sonntag im Monat jeweils 13.30 – 17 Uhr

oder nach Vereinbarung unter 06257-5389 oder 06257-5623

www.museum-alsbach-haehnlein.de     Eintritt frei

Alsbach – 400 Jahre jüdischer Friedhof

Jüdischer Friedhof Alsbach

Jüdischer Friedhof Alsbach

Der Alsbacher Friedhof ist der größte jüdische Landfriedhof in Hessen. Er fungierte als eine Art Sammelfriedhof, denn hier wurden Juden aus 32 umliegenden Städten und Dörfern bestattet. Man zählt heute 2.124 Grabsteine, die noch relativ gut erhalten sind, wenn auch die Zerstörungen und Verwitterung den Steinen sichtbar zugesetzt haben.

Es dürften wohl schon vor 1616 auf diesem Gelände Juden bestattet worden sein. Das Friedhofsgelände wurde mehrmals erweitert. Die Verwüstung der Anlage durch die SA, im November 1938, hatte vor allem zum Ziel, das markante Eingangsgebäude mit einem Andachtsraum und insbesondere das von Beginn an dort geführte Totenregister vollständig zu zerstören. Die letzte Beerdigung fand 1948 statt, seitdem wird die Anlage nicht mehr genutzt.

Ein paar Detailinformationen:

Der erste offizielle Nachweis über die „Absteinung“, d.h. die Vermessung der Friedhofsanlage stammt aus dem Jahre 1616. Aufgrund der antijüdischen Ausschreitungen sowohl in Frankfurt (1612-14 Fettmilch-Aufstand) als auch in Worms (1614) flohen viele Juden und ließen sich im hessischen Ried sowie an der Bergstraße nieder. Darunter befand sich auch der berühmte Rabbiner Samuel Bacharach aus Worms, der 1615 in Gernsheim verstarb und in Alsbach beerdigt wurde. Der Originalgrabstein ist leider nicht erhalten geblieben, dafür steht jedoch noch der Gedenkstein, den wohl sein Urenkel Sanwil Bacharach (Gemeindevorsteher in Darmstadt & Gründungsmitglied der hess. Beerdigungsbruderschaft) um 1730 gesetzt hat.

Auf dem Friedhof befinden sich viele Gräber lokal- und regional bedeutender Persönlichkeiten, kraft ihres Amtes in den jüdischen Gemeinden oder im öffentlichen Leben.

 

Jüdischer Friedhof Alsbach

Jüdischer Friedhof Alsbach

Das Museum Alsbach-Hähnlein präsentiert eine Sonderausstellung bis 02.10.2016 zum Thema „400 Jahre jüdischer Friedhof in Alsbach, 1616 – 2016 – BEWAHREN, ERINNERN, GEDENKEN“.

Die Ausstellung wird neben der Friedhofsgeschichte auch volkskundlich betrachtet über jüdisches Totengedenken, Bestattungswesen und –brauchtum zur Belegungszeit des Friedhofs informieren.

Anhand von Faksimiles des 18./19. Jahrhundert des Jüdischen Museums Berlins, vereinzelten Hinweisen und eines herausragenden Buches des Leo-Baeck-Institutes New York von 1894, in dem sehr detailreich auf das Bestattungswesen eingegangen wird, war es möglich, einen Einblick in das 19. Jahrhundert zu geben.

In der Ausstellung werden an den Wänden Großfotos verschiedener Grabsteine von Alsbacher und Hähnleiner Juden gezeigt. Zugeordnet werden auch einige Grabsteine aus anderen Orten, um ein anschauliches Gesamtbild zu erreichen. In der Mitte des Ausstellungsraumes wird eine Installation aufgebaut sein, die an die Zerstörungen konkret erinnern soll.

Museum Alsbach Hähnlein, Gernsheimer Str. 36, 64665 Alsbach-Hähnlein, http://www.museum-alsbach-haehnlein.de

Ö-Zeiten: 22.5.2016 11-17 Uhr und jeden 1. Sonntag im Monat 13.30-17 Uhr oder nach Vereinbarung

 

Installation zu Tod und Trauer in Starnberg

Flyer_Liebensbriefe

Installation zum Thema Tod und Trauer: „Liebensbriefe und die Kunst des Trauerns“ vom 18.3.-22.5.2016 im Museum Starnberger See. (inkl. Totenmaske König Ludwigs!)

Es werden dort auch Grabinschriften präsentiert. Darunter auch ein deutscher Spruch aus der rumänischen Bukowina (Frassin).

Das Museum liegt bahnhofsnah und hat einen herrlichen Blick auf den See! Nach dem Museumsbesuch bietet sich eine Schiffsrundfahrt an.